Schmutz-, Kitsch- und Schundliteratur sammelte in den letzten zwei Tagen der vergangenen Woche die Hitlerjugend, um solche öffentlich zu vernichten und den Boden vorzubereiten für die in der laufenden Woche stattfindende Werbung für gute Bücher und Tondichtungen. Am Samstag abend sollte die gesammelte Schundliteratur auf dem Marktplatz öffentlich verbrannt werden, doch mußte der schlechten Witterung wegen die Vollstreckung dieses Volksurteils auf Montag abend verschoben werden. Auf dem Marktplatz hatten sich neben der Hitlerjugend und den SA-Mannschaften von hier und Unterharmersbach auch viele Einwohner eingefunden. Unter entsprechenden Ansprachen und Deklamationen vaterländischen Inhalts wurde der die Seele des Volkes vergiftende Schmutz und Kitsch dem Feuer übergeben, jede einzelne Schleudergabe mit dem mit Nachdruck ausgestoßenen Verwünschungswort „Undeutscher Geist verbrenne!“ bekräftigt. Ein kräftiges „Sieg Heil“ auf Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Hitler sowie das Horst Wessel-Lied bildeten den Abschluß des eindrucksvollen Säuberungsaktes.“
„Schwarzwälder Post“, 20.6.1933 (Hinweis von Rolf Oswald) Aus: Dieter K. Petri · Zell am Harmersbach im Wandel der Zeit, Seite 418-419